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12.

In meinem Arbeitseifer merkte ich nicht, wie die Zeit verflog. Monate vergingen, ohne daß es mir Bewußt wurde. Dann kam Weihnachten. Als der Weihnachtsbesuch bei meinen Eltern anstand, war mir schon etwas mulmig zumute. Schließlich war ich seit dem Sommer nicht mehr zuhause gewesen. Am Abend bevor ich nachhause fuhr, verabschiedete ich mich von Wolfgang. Er nahm mich in den Arm und meinte: "Du kommst doch hoffentlich wieder zurück, oder?" Mit schiefgelegtem Kopf grinste ich ihn an: "So schnell wirst du mich nicht los. Ich komme wieder!" 'Höchstwahrscheinlich' dachte ich bei mir. Man weiß ja nie!

 

Das Wetter am nächsten morgen war typisch für Weihnachten. Es war warm und es regnete in Strömen. Die Fahrt war langweilig und anstrengend. Nur Elmis Radio-Show an Heiligabend konnte mich etwas aufmuntern. Gute Musik und den Fuß auf dem Gas und die Welt ist in Ordnung !?

 

 

Die Einfahrt zum Haus war blockiert, sodas ich auf der Straße parken mußte. Gerade als ich aus dem Auto stieg, fuhr John an mir vorbei. Er bremste, daß die Reifen quietschen und fuhr mit heulendem Motor rückwärts zu mir zurück. Wir begrüßten uns überschwenglich und verabredeten uns für den zweiten Weihnachts­feiertag. Die Begrüßung meiner Familie fiel sehr herzlich aus. Meine Geschwister samt Familie waren alle da und freuten sich über das gemeinsame Wiedersehen. Die Tochter meiner Schwester überraschte mich jedes Jahr mehr. Sie wurde immer hübscher und vor allem wurde sie immer größer. Mit ihren 12 Jahren war sie schon einmeterfünfzig groß. Es war schön, wieder zuhause zu sein und an diesem Getöse von dreizehn Leuten teilzunehmen.

 

Trotz der Kälte gingen ich auf den Balkon zum Rauchen. Auch bei diesem Schmuddelwetter war der Blick über das Tal wunderschön. Das hatte ich jedoch erst bemerkt, als ich schon einige Jahre in Stuttgart wohnte. Es ist tatsächlich so, daß man erst lange von Zuhause weg sein muß um zu begreifen, wie schön doch eigentlich die Heimat ist. Mit dem Begriff Heimat habe ich früher nichts anfangen können. Für mich war Heimat immer da wo ich wohnte. Und aus dem Elternhaus herauszukommen war das pure Abenteuer. Ich wollte mein eigenes Leben leben und nicht länger unter der Fuchtel meiner Mutter stehen, die genau wie ich sehr dominant sein kann. Und nun stand ich rauchend auf dem Balkon meiner mittlerweile fast gebrechlichen Mutter und wünschte mir, niewieder wegfahren zu müssen.

 

Mein großer Bruder Horst trat zu mir auf den Balkon und fragte, ob ich in den "Fuchsbau" auf ein Heiligabendbier mitkommen würde. Ich warf meine Zigarette über Bord, zog Schuhe und Jacke an und stand Gewehr-bei-Fuß zum Abmarsch bereit. Als meine Schwester Lisa auch endlich fertig war, hackte sich Horst bei seinen beiden Schwestern unter. Gemeinsam fielen wir in den "Fuchsbau" ein. Das Hallo war groß, denn auch andere Leute waren auf den gleichen Gedanken gekommen. Mit 15 Mann respektive Frau saßen wir an der Theke und grölten die schrecklichsten Weihnachtslieder. John war natürlich auch da. Es hätte mich auch gewundert, wenn das nicht so gewesen wäre. Irgendwann wurde es dem Wirt wohl zu bunt. Er warf die Musikbox an und übertönte damit die schaurigen Gesänge des Thekenchors. Jedoch nur kurzzeitig. Er hatte einen Fehler bei der Musikauswahl gemacht. Alter deutscher Schlager eignet sich herrlich zum Mitgrölen. Spätestens bei "Marmor, Stein und Eisen bricht" gab der Wirt entnervt auf. Gegen sechs Uhr abends warf er alle dann endgültig rauß; schließlich begann um acht Uhr die Christmette.

 

31.5.07 15:05
 


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