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9.

Das Wochenende war wunderschön und es tat mir richtig Leid, als er sich sonntag­abends von mir verabschiedete. Wir umarmten uns und er küßte mich noch einmal. Dann stieg er in den Wagen und fuhr davon. Ich stand da, winkte ihm mit Tränen in den Augen nach. Meine Wohnung kam mir seltsam leer vor. Kein Lachen, kein Schnarchen. Nur Stille. Stille kann manchmal so laut, fast ohrenbetäubend sein. Nach drei Stunden rief Kuno an und wünschte mir noch eine schöne Woche. Ich versprach am Wochenende nach Hause zu kommen.

 

 

Die Tage zogen sich schleppend dahin und die Nächte waren öd und leer. Noch nie habe ich mich so in Sehnsucht und Gier nach Wärme verloren. Kuno rief zwischendurch zweimal an. Er begrüßte mich am Telefon immer mit "Ich hab' so Sehnsucht nach dir!" und verabschiedete sich mit "Ich liebe dich, Komm' bald nach Hause." So tauchte in mir etwas auf, was ich lange tot geglaubt bzw. verdrängt hatte: Heimweh. Jedesmal wenn ich früher nach Hause gefahren bin, tat es mir Leid, wieder gehen zu müssen. Aber wenn ich dann in Stuttgart angekommen war, ließ der Schmerz langsam nach und ich lebte mein Leben weiter wie zuvor. Seit ich mit Kuno zusammen war, war plötzlich alles anders. Ich hatte wieder das Gefühl, das ein Stück von mir fehlte, sich in meiner wahren Heimat aufhielt und darauf wartete wieder ein Ganzes zu werden. Der Schmerz war nun sehr intensiv.

 

Voreilige Entschlüsse waren mir immer ein Greul, weil selten etwas Gutes dabei heraus kam. Trotzdem rief ich in der Personalverwaltung meiner Arbeitsstelle an und erkundigte mich über meine Kündigungsfrist. Danach abonnierte ich die Regionaltageszeitung meines heimatlichen Landkreises. Als ich dann am Wochen­ende zu meinen Eltern beziehungsweise zu Kuno fuhr, war ich guter Dinge. Die Lage war beschissen, aber nicht hoffnungslos. Die Stellenangebote waren mehr als dürftig. Wer würde schon jemanden einstellen, der zehn Jahre beim Staat gearbeitet hat und dann auch noch selbst kündigt? "Biste bescheuert, so einen sicheren Arbeitsplatz in der heutigen Zeit aufzugeben?' fragte mich eine Freundin, der ich die Ereignisse der letzten Wochen natürlich sofort erzählt hatte. Sie sah mich prüfend an und meinte dann: "Du bist bescheuert! Und das alles wegen einem Kerl. Hoffentlich geht das nicht schief." "Du redest wie meine Mutter! Jetzt fehlt bloß noch der Satz 'Aber du mußt wissen, was du tust!' dann bist du perfekt." beschwerte ich mich. Ich suchte Rat und keinen Spott.

 

Meinen Geisteszustand zu überprüfen war zu diesem Zeitpunkt sowieso zwecklos. Wenn man frisch verliebt ist und auf 'Wolke sieben' schwebt, wird man von Menschen, die sich nicht gerade in der selben Situation befinden, zurecht für unzurechnungsfähig erklärt. Und ich war frisch verliebt. Die Welt war so herr­lich rosa und nichts konnte mir die gute Laune verderben.

 

Jeder Tag, der verging, stürzte mich in ein neues Auf und Ab der Gefühle. Auf der einen Seite freute ich mich über jeden Tag auf Gottes schöner Erde, auf der anderen Seite fiel ich in eine Loch aus Heimweh und Zweifel darüber, ob ich in der Lage war, die richtige Entscheidung zu treffen. Meine Kolleginnen amüsierten sich prächtig darüber, wie die immer ausgeglichene Conny plötzlich durchdrehte. So hatte ich mich nicht einmal benommen, als mein Ex-Freund aus­zog. Wenn Kuno während der Arbeitszeit anrief und wir uns unterhielten, hingen meine Kolleginnen mit einem Ohr an der Tür. Nach dem Gespräch zogen sie mich mit Hingabe auf. Ich grinste nur von einem Ohr zum anderen. Das ging soweit, daß ich mir vor dem Einschlafen regelrecht das Grinsen aus dem Gesicht wischen mußte, indem ich bewußt die Gesichtsmuskulatur entspannte.

 

Freitagmittag fuhr ich dann endlich nach Hause. Meine Mutter war nicht sehr überrascht, mich so bald wieder zu sehen, freute sich aber. Ich war noch keine Stunde zu Hause, als Kuno anrief. Wir trafen uns zwei Stunden später in seiner Wohnung. Er war seltsam still und zurückhaltend. Irgendetwas war passiert.

 

9.3.07 15:36


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