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Alles auf Anfang

Alles auf Anfang

Er lehnte rückwärts an der Balkonbrüstung und grinste breit. Seine Augen blitzten als er fragte: "Und, war das nicht eine prima Idee?" Doch, ich mußte zugeben, es war eine prima Idee. Ich ließ die Schlüssel durch meine Finger gleiten. Meine neuen Wohnungsschlüssel! An den vergangenen drei Wochenenden hatte ich mir acht Wohnungen angeschaut und hatte mich schon abgefunden erst mal bei meinen Eltern unterschlüpfen zu müssen, bis ich was passendes gefunden hätte. Entsprechend genervt kam ich nachmittags bei Petra an und trank bei ihr einen Kaffee.

Wir saßen gemütlich da und schwatzten als Kurt auftauchte. Er brachte das Schweißgerät zurück, das er sich von Petras Mann geliehen hatte. Sie lud ihn auf eine Tasse Kaffee ein und er setzte sich dazu. Wir sprachen über dies und das und ich erzählte von meiner Wohnungssuche. Wohnungen, die aussahen, als hätten die Vandalen drin gehaust, Löcher mit fließend Wasser - die Wand runter -, Durchgangswohnungen, bei denen man von einem Zimmer ins andere nur übers Treppenhaus kommt. Miniaturwohnungen mit exorbitanter Staffelmiete, Einliegerwohnungen, die sich als Kellerkabuff herausstellten. Bei einer Wohnung hätte ich mir auch noch das Bad mit zwei Polizisten teilen müssen.

Was man alles zugemutet bekommt, wenn man auf Wohnungssuche ist, grenzt an Unverschämtheit. Ich ereiferte mich und Kurt saß da und lächelte. Er wartete, bis wir den Nachmittagskaffee beendet hatten und ich mich verabschiedete. Er brach mit mir auf und hielt mich am Auto auf. "Haste Lust, Dir noch eine Wohnung anzuschauen?" Ich lehnte erst mal dankend ab. Genug für Heute aber er ließ nicht locker. "Nun komm schon! Sie wird dir gefallen. Wirklich!" "Also gut," sagte ich "bin mal gespannt, was ich mir jetzt für eine Bruchbude anschauen muß!"

Kurt lächelte und setzte sich ins Auto. Ich fuhr hinter ihm her, in ein Wohngebiet, das oberhalb der Stadt am Hang lag. Er hielt vor einem mehrstöckigen Wohnhaus. Wir stiegen aus und betraten das Haus. Mit dem Aufzug fuhren wir in den siebten Stock. Kurt beobachtete mich die ganze Zeit. Ich spürt förmlich seine Hände auf meiner Haut. Es war ein merkwürdiges Gefühl, in einem so engen Raum mit ihm alleine zu sein. 'Wenn jetzt der Aufzug hängen bleibt, bin ich geliefert', dachte ich mir. Aber ich hatte Glück. Wir kamen ohne Verzögerung im siebten Stock an und Kurt geleitete mich zu einer der Wohnungstüren. Wie die meisten Männer hatte er einen Schlüsselbund mit so vielen Schlüsseln dran, als müsse er abends die ganze Stadt abschließen. Dementsprechend lange dauerte es auch, bis er den richtigen fand.

Kurt blieb in der Tür stehen und nötigte mich, an ihm vorbei in die Wohnung zu treten. Dabei streifte ich ihn. Man hörte regelrecht, wie bei der Berührung die Funken flogen.

Wir betraten ein großzügiges Wohnzimmer mit Parkettboden. Ein etwas abenteuerliches Muster war da verlegt worden. Irgendwie sah es danach aus, als hätte der Parkettleger alles zusammengekratzt, was er an Restparkett noch übrig hatte. Der Boden war so glatt und glänzend, daß ich unweigerlich die Schuhe auszog. Kurt sah mich befremdet an und ich erklärte ihm, daß ich Angst hätte, Kratzer mit meinen Absätzen zu hinterlassen.

An der Wand, die Wohnzimmer und Badezimmer trennte, war ein Fliesenspiegel angebracht und Anschlüsse ragten aus den Wänden. Da sollte wohl eine Einbauküche mal hin. Der Boden davor war mit Parkett in Steinbodenoptik ausgelegt und grenzte so deutlich den Wohnzimmerbereich vom Küchenbereich ab. "Dort eine schöne Einbauküche rein, ein Tisch und als Begrenzung eine Theke, dann wäre es perfekt." Kurt legte den Kopf schief, sah mich an und meinte:"Genau so habe ich mir das gedacht. Komm in Badezimmer! Das mußt Du Dir auch anschauen." Auch das Badezimmer war geräumig. Sogar eine Waschmaschine hatte darin Platz. Alles war neu gekachelt und eine große Badewanne nahm die Rückfront ein.

Als nächstes war das Schlafzimmer dran. Frisch gestrichen und ebenfalls mit Parkett ausgelegt. Die Wand zum Badezimmer hin, maß ich aus und stellte fest, daß mein Kleiderschrank dort hin paßte, als hätte ich ihn für diese Wohnung gekauft. Ich war begeistert.

Es war perfekt! Zu perfekt! Diese Luxusbude konnte ich mir bestimmt nicht leisten und das sagte ich Kurt auch. "Mach Dir darüber mal keine Sorgen. Das kläre ich mit meinem Bruder! Der will die Wohnung garnicht mehr vermieten, weil er letztes Jahr Mietnomaden drinhatte. Die Wohnung mußte ich komplett renovieren. Du hast ja gesehen, daß alles neu ist. Ich habe ein halbes Jahr lang Wochenendweise hier gearbeitet."

"Du hast das alles gemacht? Parkett verlegt und gefließt?" Meine Bewunderung tat ihm sichtlich gut und er strahlte wie ein Honigkuchenpferd. "Ja, das hab ich alles gemacht. Günter hat mir sein Lager zur Verfügung gestellt und gesagt: 'Bring die Wohnung wieder in Ordnung. Aber nur mit den Sachen, die ich hier im Lager habe. Die Mietnomaden haben mich schon genug Geld gekostet.' Also hab ich die Parkettreste durchgesehen und mich an die Arbeit gemacht. Wenn ich mal grade keine Arbeit habe, stellt er mich ja auch immer wieder ein, damit ich nicht auf dem trockenen sitze. Gefällt es Dir?"

Was für eine Frage! Ich öffnete die Balkontür und ging nach draußen. Wenn mich die Wohnung nicht schon überzeugt hätte, die Aussicht hätte es auf jeden Fall getan. Der Ausblick war atemberaubend. Die Sonne ging grade unter und hing rot über den Hügeln der Stadt. Ich hörte wie Kurt hinter mir telefonierte. Er trat zu mir auf den Balkon und sagte:"Ich habe Günter grade angerufen. Der kommt vorbei und bringt den Mietvertrag und die Schlüssel mit."

15.7.08 09:04


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